Wie das schwii zum Schwein wurde

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Vor einiger Zeit habe ich mich über das deutsche Schwein geärgert, das in die Schweiz gekommen ist. Keine Angst, damit ist kein Deutscher gemeint, sondern das deutsche Wort Schweinegrippe, das in meinen Augen falsch verschweizerdeutscht wurde. Damals meinte ich es nicht wirklich ernst, konnte mir nicht vorstellen, dass deshalb auch das “schwii” einmal zum “Schwein” werden würde.

Gestern der Gegenbeweis. In einem Gespräch mit einem richtig schweizerischen Schweizer sagt er doch tatsächlich “und döt häts zwei schwein gha”. Werden wir jetzt Zeugen, wie ein Schweizer Wort ausstirbt? Spannend! Und alles nur wegen H1N1.

Dabei ist die Sache ja doppelt pervers: Der Plural von “schwii” ist “schwii”, in allen mir bekannten Dialekten. Der Plural von “schwein”, so wie das Volk dies jetzt nunmal konjugiert, ist auch “schwein”! Eis schwein, zwei schwein, drei schwein, vier schwein.

Die Deutschen werden irgendwann denken, wir sind total doof.

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4 thoughts on “Wie das schwii zum Schwein wurde”

  1. Verwendest du “Schwii” tatsächlich alleinstehend? Und nicht nur in Kombination mit “läder” und “läberli”? Ich habe das Zürichdeutsche Wörterbuch konsultiert, da ist “Schwein” gar nicht aufgeführt, bei “Schwii” steht “nur in Zusammensetzungen” und alleinstehend ist eigentlich nur “Sou”.

    Also “Sou” alleine, “Schwii-” oder “Schwiins-” als Vorsatz. Logischerweise darum also “Schwiigripp”, nicht “Sougripp” (was auch irgendwie ungehobelt klingen würde).

    Dass die Schweinegrippe am “Schwein” schuld ist, glaube ich allerdings nicht. Wir haben irgendwie das Gefühl, das “Sou” ein Fluchwort ist (weil es ja auch so verwendet wird) und verwenden deshalb das nobler klingende “Schwein”, z.B. auch im Ausdruck “häsch Schwein ghaa” (den ich im Wörterbuch nicht finde und darum annehme, dass der direkt aus dem Deutschen übernommen wurde).

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  2. Das ist interessant, im Khûrertütsch gibt es ein schwii und eine sau, und die haben sogar jeweils ihre richtigen Geschlechter, das eine ist aber nicht nobler als das andere 🙂 (Das wäre ja auch keine Gleichberechtigung)

    Das mit dem “Schwein gha” ist ja wirklich wahr! Dann ist das Schwein schon länger Gast hier, wenigstens im Sprichwort.

    Ich behalte ein Auge auf die Entwicklungen an der Schweinefront 🙂

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  3. Kollege Müller vermutet, dass “Schwii” die Gattung ist und “Sou” die weibliche Ausgabe davon. So wäre es im Deutschen ja auch, und zwar schon länger: laut Duden gibt es schon im Alt- und Mittelhochdeutschen “swīn” und “sū”. Letzteres könne entweder lautmalerischer Herkunft sein, aber auch die “Gebärerin” bezeichnen. “swīn” komme von Schmutzigkeit (! würde bedeuten, dass die Vorstellung der dreckigen Sau nicht nach dem Wort kam, sondern schon im Wort enthalten ist).

    Aber eben, im Zürichdeutschen Wörterbuch findet sich davon nichts, und das ist eigentlich recht bauern-nah. Evtl. hat sich “Sou” auch als Gattungsbezeichnung eingebürgert, weil die Bauern ja eh meistens nur weibliche Schweine halten; der “Eber” kommt in der Pipette vom Spezialisten.

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